Kommunale Wärmeplanung
Laut Wärmeplanungsgesetz sind alle Kommunen aufgerufen, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Als Kommune mit unter 100.000 Einwohnenden muss Igersheim bis Mitte 2028 eine Wärmeplanung abgeschlossen haben – wir haben so gesehen noch etwas Zeit.
Die Wärmewende ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Wärmenetze, dezentrale Erzeugungsanlagen und die Nutzung von Abwärme in einen sinnvollen Einklang zu bringen und gleichzeitig eine sozial gerechte, wirtschaftlich tragfähige und ökologisch sinnvolle Versorgung sicherzustellen – das ist das Ziel und die Herausforderung der Wärmewende. Gleichzeitig bietet sie enorme Chancen – für mehr Unabhängigkeit von fossilen Energien, für sinkende Emissionen und für die Stärkung der regionalen Wertschöpfung.
Igersheim hat sich im Konvoi gemeinsam mit Weikersheim, Assamstadt und Creglingen bereits auf den Weg der kommunalen Wärmeplanung gemacht. Die Antragsstellung erfolgte Ende 2023, im Herbst 2024 erhielt der Konvoi Weikersheim die Förderzusage des Landes zur Erstellung der kommunalen Wärmeplanung. Das Projekt wird mit Mitteln des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft zur Förderung der kommunalen Wärmeplanung in Landkreisen und Gemeinden (VwV freiwillige kommunale Wärmeplanung) unterstützt. Das Projekt hat eine Laufzeit von 24 Monaten und ist voraussichtlich im Herbst 2026 abgeschlossen.
Einen ersten Zwischenstand für Igersheim können Sie in folgender Datei aufrufen. Hierbei handelt es sich um die Projektphasen 1 und 2, also Bestands- sowie Potentialanalyse.
Diese wurde im Austausch mit dem externen Dienstleister, der RBS wave GmbH, erarbeitet.
Hierbei handelt es sich um THEORETISCHE Potentiale, die ausgegeben wurden. Ob für Igersheim ein Wärmenetz kommen wird, lässt sich voraussichtlich erst mit Abschluss der kommunalen Wärmeplanung sagen - auch dann besteht keine Garantie auf Umsetzung! Dies gilt es in den persönlichen Überlegungen zu beachten.
Weitere Informationen finden Sie nachstehend.
Was zeigt ein kommunaler Wärmeplan?
Was zeigt ein kommunaler Wärmeplan?
Der kommunale Wärmeplan ist ein strategischer Fahrplan, der das Ziel verfolgt, konkrete Strategien und umsetzungsorientierte Maßnahmen für eine klimaneutrale und zugleich wirtschaftliche Wärmeversorgung des kompletten Gebäudebestands bis zum Jahr 2040 zu entwickeln.
Ein kommunaler Wärmeplan bildet die Grundlage, zur Erreichung einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Jede Gemeinde entwickelt im kommunalen Wärmeplan ihren Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung, der die jeweilige Situation vor Ort bestmöglich berücksichtigt. Ein solcher Plan ist immer in Prozesse eingebettet: Er dient als strategische Grundlage, um konkrete Entwicklungswege zu finden und die Kommune in puncto Wärmeversorgung zukunftsfähig zu machen. Dabei wird er auch zu einem wichtigen Werkzeug für eine nachhaltige Stadtentwicklung.
Die kommunale Wärmeplanung informiert die Igersheimer Bürgerinnen und Bürger nach Abschluss der Planungen unverbindlich über die Potentiale einer zentralen, leitungsgebundenen oder dezentralen Wärmeversorgung.
- Unter einer leitungsgebundenen Wärmeversorgung können zentrale Wärmenetze oder Wasserstoffnetze verstanden werden; d.h. Häuslebesitzer schließen sich an ein zentrales Netz an, welches bspw. über Hackschnitzel aus einer zentralen Versorgungsstelle versorgt wird.
- In Bereichen, die dezentral ausgewiesen werden, ist voraussichtlich keine leitungsgebundene Wärmeversorgung möglich. D.h. Bürgerinnen und Bürger müssen sich selbst um eine dezentrale Heizungsmöglichkeit kümmern (z. B. Wärmepumpe).
Im Hinblick auf die Regelungen im Gebäudeenergiegesetzt (GEG, auch Heizungsgesetz) wird es zukünftig bei der Umstellung der eigenen Heizungsanlage darauf ankommen, dass mind. 65 % des eingesetztes „Betriebsmittels“ aus Biokraftstoffen besteht. Hier zudem der Hinweis: Das GEG erläutert kein Verbot von Gas- oder Ölheizungen – hinsichtlich der Regularien sowie in Verbindung mit der CO2-Abgabe und des ab 2027 geplanten EU-Emissionshandels für den Bereich Gebäude, wird darauf hingearbeitet, dass erneuerbare Energien attraktiver werden.
Nachhaltige Wärmequellen. Visualisierung: Viktoria Maly, Energieagentur Regio Freiburg GmbH, Beratungsstelle Kommunale Wärmeplanung Südlicher Oberrhein.
Leitfragen der kommunalen Wärmeplanung
Leitfragen der kommunalen Wärmeplanung
Die Wärmeplanung beantwortet bestmöglich die folgenden Leitfragen:
- Wo sind zentrale Lösungen wie Wärmenetze sinnvoll?
- Wo eignen sich dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen?
- Welche erneuerbaren Wärmequellen stehen regional zur Verfügung?
- Wie kann der zukünftige Wärmebedarf möglichst effizient gedeckt werden?
Die vier Grundelemente eines kommunalen Wärmeplanes
Die vier Grundelemente eines kommunalen Wärmeplanes
- Bestandsanalyse:
Erhebung des aktuellen Wärmebedarfs und -verbrauchs und der daraus resultierenden Treibhausgasemissionen, einschließlich Informationen zu den vorhandenen Gebäudetypen und den Baualtersklassen, der Versorgungsstruktur aus Gas- und Wärmenetzen, Heizzentralen und Speichern sowie Ermittlung der Beheizungsstruktur der Wohn- und Nichtwohngebäude. - Potenzialanalyse:
Ermittlung der Potenziale zur Energieeinsparung für Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme in den Sektoren Haushalte, Gewerbe-Handel-Dienstleistungen, Industrie und öffentlichen Liegenschaften sowie Erhebung der lokal verfügbaren Potenziale erneuerbarer Energien und Abwärmepotenziale. - Aufstellung Zielszenario:
Entwicklung eines Szenarios zur Deckung des zukünftigen Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien zur Erreichung einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Dazu gehört eine räumlich aufgelöste Beschreibung der dafür benötigten zukünftigen Versorgungsstruktur im Jahr 2040 mit einem Zwischenziel für 2030. Dies gelingt durch die Ermittlung von Eignungsgebieten für Wärmenetze und Einzelversorgung. - Wärmewendestrategie:
Formulierung eines Transformationspfads zur Umsetzung des kommunalen Wärmeplans, mit ausgearbeiteten Maßnahmen, Umsetzungsprioritäten und Zeitplan für die nächsten Jahre und einer Beschreibung möglicher Maßnahmen für die Erreichung der erforderlichen Energieeinsparung und den Aufbau der zukünftigen Energieversorgungsstruktur.
Detailliertere Informationen zum generellen Stand der kommunalen Wärmeplanung können auf der Website der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA BW) unter Kommunale Wärmeplanung nachgelesen werden.
Wann und wie wird die Kommunale Wärmeplanung umgesetzt?
Wann und wie wird die kommunale Wärmeplanung umgesetzt?
Das Projekt ist offiziell am 1. Januar 2025 gestartet und soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Der Wärmeplan, der aus der Kommunalen Wärmeplanung hervorgeht, muss zunächst vom Gemeinderat beschlossen werden, um Gültigkeit zu erlangen. Erst ab diesem Beschluss gelten die zeitlichen Fristen gemäß den Vorgaben des Gebäude-Energie-Gesetzes (GEG) für die Gemeinde. Die schrittweise Umsetzung der Maßnahmen erfolgt anschließend in enger Abstimmung mit den beteiligten Gemeinden, den Fachplanern sowie der Bevölkerung. Ziel ist es, konkrete Schritte einzuleiten, die die Klimaziele der Region unterstützen und die Wärmeversorgung nachhaltiger gestalten.
Nutzen der Wärmeplanung für Bürgerinnen und Bürger
Nutzen der Wärmeplanung für Bürgerinnen und Bürger
Auch wenn die Wärmeplanung keine direkten Pflichten begründet, bietet sie einen wichtigen Mehrwert. Sie sorgt für Transparenz, ermöglicht die langfristige Planung und hilft dabei, Investitionen und Maßnahmen in der Gemeindeentwicklung mit dem Ziel einer sicheren, bezahlbaren und sauberen Wärmeversorgung bestmöglich auszuwählen.
Die kommunale Wärmeplanung liefert eine strategische, übergeordnete Betrachtung der Wärmeversorgung auf der Ebene von Kommunengebieten. Sie zeigt auf, welche Formen der Wärmeversorgung in bestimmten Bereichen grundsätzlich effizient und zukunftsfähig sein können.
Die Wärmeplanung trifft jedoch keine gebäudescharfen Festlegungen.
Es wird nicht festgelegt, welches konkrete Heizsystem in einem einzelnen Gebäude eingebaut werden muss oder darf. Auch individuelle Sanierungsentscheidungen, konkrete Zeitpunkte für einen Heizungstausch oder technische Detailplanungen sind nicht Bestandteil der Wärmeplanung.
Die Ergebnisse dienen vielmehr als Orientierungshilfe und Grundlage für weiterführende Planungen und individuelle Entscheidungen, ersetzen jedoch keine persönliche Energieberatung. Bestehende Heizungsanlagen können weiterhin betrieben werden. Die Wärmeplanung schafft vielmehr eine langfristige Entscheidungsgrundlage für die kommenden Jahre bis 2040.
Welche Ziele verfolgt die Wärmeplanung in unserer Region?
Welche Ziele verfolgt die Wärmeplanung in unserer Region?
Ziel ist es,
- die Abhängigkeit von fossilen Energien zu reduzieren,
- langfristig die Heizkosten zu senken,
- die Versorgungssicherheit zu erhöhen (unabhängig von Importen),
- das Klimaschutzziel der Klimaneutralität des Landes Baden-Württemberg bis 2040 durch die Dekarbonisierung der Gebäudewärmeversorgung maßgeblich zu unterstützen,
- den Bürgerinnen und Bürgern sowie Eigentümern frühzeitig Orientierung für zukünftige Heizlösungen und Investitionen zu geben.
Was bedeutet die Wärmeplanung konkret für Bürgerinnen und Bürger?
Was bedeutet die Wärmeplanung konkret für Bürgerinnen und Bürger?
Sie erhalten transparente Informationen darüber, welche Heizoptionen in Ihrem Wohngebiet langfristig sinnvoll sind – zum Beispiel ein mögliches Wärmenetz oder individuelle Lösungen wie Wärmepumpen. Das schafft Planungssicherheit für private Investitionsentscheidungen.
Welche Vorteile haben Gebäudeeigentümer*innen und Mieter*innen?
Gebäudeeigentümern erhalten durch die Wärmeplanung eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Investitionen in ihre Immobilie. Die Wärmeplanung hilft abzuschätzen, welche Heiztechnik langfristig wirtschaftlich und nachhaltig ist.
Auch für Mieter*innen bietet die kommunale Wärmeplanung Vorteile. Sie trägt dazu bei, die Wärmeversorgung in Igersheim langfristig sicherer, bezahlbar und sauber zu gestalten, was perspektivisch vor stark steigenden Heizkosten schützt. Durch den Ausbau effizienter Heizsysteme und Wärmenetze können die Gebäude mit weniger Energie beheizt werden, was den Energieverbrauch und damit die Nebenkosten senkt. Gleichzeitig schafft die Wärmeplanung Transparenz darüber, wie sich Quartiere künftig versorgen können, und unterstützt so Investitionen in moderne Heiztechnik, von denen Mieter*innen durch mehr Versorgungssicherheit, geringere Emissionen und höhere Behaglichkeit profitieren.
Muss ich meine Heizung jetzt austauschen?
Nein. Die interkommunale Wärmeplanung ist kein Zwang zum Austausch bestehender Heizungen. Sie dient der langfristigen Orientierung und Vorbereitung – nicht der sofortigen Verpflichtung.

